Review: Einfach nur Prince of Persia

Der neue Teil von Prince of Persia hat nicht mal eine wirkliche Tag-Line. Ein Zeichen für Sparmaßnahmen? Nein, bestimmt nicht. Wäre ich Fußball-Kommentator würde ich sagen: “Prince of Persia ist eine Bank!” Gameplay Grafik und Spielspaß lassen fast nichts zu wünschen übrig. Was das im einzelnen bedeutet könnt ihr hier nachlesen.
Story
Auf der Suche nach seinem Esel Farah verirrt sich der Prinz in der Wüste und begegnet der jungen Prinzessin Elika, ganz Gentleman hilft er ihr bei der Flucht vor einigen Wächtern, ohne zu wissen, worauf er sich einläßt denn Elika bewahrt ein, im wahrsten Sinne des Wortes, düsteres Geheimnis.
Aus am Anfang unerfindlichen Gründen lockert Elika’s Vater die Ketten des Gottes der Dunkelheit Ariman und hilft so einem Teil dessen Soldaten zu entkommen. Die haben natürlich nichts besseres zu tun als die bereits gelockerten Ketten gänzlich zu lösen und ihren Herren und Meister zu befreien. In diesem Fall sind die Ketten sogenannte Fruchtbare Gebiete, die ihr zusammen mit Elika vor dem Einfluß der Dunkelheit bewahren und wieder herstellen müsst um Ahrimans Flucht zu verhindern.
Technik & Gameplay
Wenn ich an Prince of Persia denke, dann denke ich zuerst an meinen ersten PC: 80MHz mit 120MB Festplatte und 4MB Arbeitsspeicher. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, obwohl schon damals 1989 die Bewegungsanimationen des Prinzen ihrer Zeit weit voraus waren.
Das Geheimnis war nicht das heute so oft angewandte Motion Capturing, sondern eine Technik, wie sie bei Zeichentrickfilmen angewandt wird. Jede Bewegung wird einzeln ähnlich wie bei einem Daumenkino nach und nach gzeichnet. Das sorgt nicht nur für flüssige Animationen, sondern läßt diese auch noch sehr realistisch wirken und haucht dem Prinzen auf eine harmonische Art und Weise Leben ein.
Springen, klettern, hangeln und kämpfen in Prince of Persia hat schon damals viel Spaß gemacht und das recht simple Gameplay in diesem Teil trägt maßgeblich dazu bei. Die einfache, aber durchdachte Tastenbelegung sorgt für viel Spielspaß, bei dem man sich wie ein Meister des Controlers fühlen kann.
Das beste Beispiel, um das deutlich zu machen, ist der Elika-Button (Y). Braucht ihr Elikas Hilfe drückt ihr einfach diesen Knopf und Elika greift euch Kontextabhängig unter die Arme. Ist die Schlucht über den ihr springen wollt zu lang, springt Elika in der Mitte ein und schleudert euch den Rest des Weges, so dass ihr sicher auf der anderen Seite ankommt.
Im Kampf startet sie mit eurer Hilfe akrobatische Attacken gegen die Gegner. Steht ihr auf einem Fruchtbaren Gebiet, dass geheilt werden muss, Heilt sie es.
Zu guter Letzt sind da noch die Kraftplatten, Diese ermöglichen euch Stellen zu erreichen, die mit normalem Klettern oder Springen nicht zu erreichen sind. Ob fliegen, Springen, Schwingen oder an Wänden Senkrecht hochlaufen, jede Aktion im Zusammenhang mit Elika ist über die Y-Taste steuerbar.
Durch diese “kontextsensitive” Steuerung wird Prince of Persia auch für jeden Gelegenheits-Zocker ein Spiel ohne großen Frustfaktor. Was den Frustfaktor außerdem stark reduziert ist die Tatsache, dass man im Spiel nicht sterben kann. Fallt ihr zum Beispiel in einen Abgrund, zieht Elika euch wieder auf die letzte Plattform auf der ihr gestanden habt. Droht ein Gegner euch mit seinem Schaschlik-Besteck zu zerlegen, greift sie ein und stößt ihn mit einer Art “Force-Push” zurück.
Grafik
Grafisch ist Prince of Persia ein Kracher. Der Comic-Look paßt absolut. Beim Spielen hatte ich das Gefühl in einem (Comic)-Malbuch unterwegs zu sein, und mit jedem Fruchtbaren Gebiet, dass geheilt wurde habe ich eine weitere Seite mit Leben und Farben gefüllt. Das hört sich jetzt sicherlich sehr pathetisch an, aber wer das Spiel spielt oder schon gespielt hat, weiß was gemeint ist.
Die Welt wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und das merkt man spätestens, wenn man an einem erhöhten Punkt steht und sich umschaut. Es ruckelt so gut wie gar nicht und Objekte in der Umgebung “poppen” nicht einfach auf, wie es bei vielen anderen Spielen leider der Fall ist.
Sound
Der Sound ist ein Punkt, an dem man sich darüber uneinig sein kann, ob man diese orientalisch angehauchte Musik mag, aber definitiv kein Punkt an dem man sich über gut oder schlecht streiten kann. Er ist perfekt.
Die Musik ist deswegen perfekt, weil sie nicht stört es aber stören würde, wenn sie nicht da wäre. Sie unterstreicht das geschehen ohne aufdringlich zu wirken und verleiht dem Spiel sein ganzes 1001-Nacht-Flair. Sheherazade selbst hätte die Geschichte nicht besser mit Leben füllen können.
Apropos Geschichten erzählen, das bringt mich zu einem weiteren Punkt der mir bei fast allen deutschen Spielen sauer aufstößt. Die Synchro. Die deutschen haben eine der fortschrittlichsten und besten Synchronisationsindustrien der Welt, aber bei Videospielen hört das leider oft auf.
In diesem Fall ist die Qualität der Synchronisation irgendwo in der Mitte zwischen echt gut und ganz in Ordnung. Während ein Teil der Charaktere, vor allem aber der Prinz, in seiner sarkastischen Art super getroffen ist, vermisse ich beim zweiten Hauptcharakter Elika ein bisschen das Feuer. Sie wirkt manchmal ein bisschen zu gekünstelt und oder gelangweilt und das kann dann in den Unterhaltungen zwischen ihr und dem Prinzen störend wirken - leider. Insgesamt ist die Synchro aber um einiges besser als bei den meisten anderen Spielen, die ins Deutsche übersetzt werden.
Lob & Tadel
Bei all dem Lob bekommt das Spiel allerdings auch etwas Tadel. Das Gameplay, so simpel es auch gehalten wurde, hat leider ein paar kleinere Mängel in der Steuerung, die man nicht wirklich ignorieren kann. Wenn man zum Beispiel ein wenig zu nah an der Wand abspringt, um an ihr entlang zu sprinten, kann es passieren, dass sich der Prinz verhakt und einfach per Klauenfall nach unten rutscht. Ärgerlich, wenn man so “stirbt”. springt man zu weit weg ab versucht er an der Wand nach oben zu klettern und wieder kommt es zum Klauenfall in den Abgrund. Manchmal ist es auch so, dass man von einer Rutsche richtig abspringt, der Prinz an der gegenüberliegenden Wand aber zu spät landet und dann den Sprung zur Kante nicht mehr schafft. Was dann passiert könnt ihr Euch denken - “Tod” durch Klauenfall. So verzeihend das Spiel in vielen anderen Punkten ist, das waren Dinge, die mir wirklich auf den Keks gingen. Vor allem, wenn ich vorher noch eine ewig lange Akrobatik-Passage einlegen musste, die ich im schlimmsten Fall von der letzten festen Plattform wiederholen musste.
Fazit & Trailer
Natürlich hört sich das alles für die, die die Herrausforderung einer anspruchsvollen Spielmechanik lieben, leider ein bisschen zu einfach an. Trotzdem, Prince of Persia ist ein großartiges Spiel. Mit seinem Cellshading-Look und der Spielwelt, die wirkt als sei sie in Aquarell gemalt, distanziert sich das Spiel optisch von seinen Vorgängern und fügt sich atmosphärisch trotzdem in die Prince-of-Persia-Reihe ein. Ubisoft es mit diesem Teil gelungen ein Spiel zu kreieren, dass einer breiten Masse “zugänglich” ist ohne es dabei wie etwas unfertiges wirken zu lassen. Wie die meisten Spiele hat auch dieses kleine Schwächen, die man zwar nicht ignorieren aber durchaus tolerieren kann. Abzüge gibt es für die an manchen Stellen fehlerhafte Spielmechanik und die meiner Meinung nach nicht immer so gute Synchronisation.
Auf einer Skala von 1-10 hat Prince of Persia eine Bewertung von 8,7 verdient.
1 Comment
Definitiv sehr empfehlenswerter Titel
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